Samstag, 17. November 2018

Meine Geschichte mit MS

Alles begann im April 2018. Ich bin mehrfach umgefallen. Einfach so. Es hat mir nichts weh getan. Mir fehlte dann plötzlich nur die Kraft. Ich konnte mich zwar jedes mal wieder aufstellen indem ich mich aufs Bett gedrückt habe und dann vom Bett aus aufgestanden bin. Aber ich wunderte mich.

Zum einen war es nicht normal, dass ich einfach so umgefallen bin. Das hatte ich bis dahin nicht. Zum Anderen merkte ich, dass die Kraft nachgelassen hatte. Und ich verstand es einfach nicht. Ich fragte mich was los ist.

Beim 5. Umfallen konnte ich mich dann nicht mal mehr aufs Bett drücken. Ich kroch dann ins Wohnzimmer und versuchte es dort auf dem Sessel. Aber auch das funktionierte nicht. Ich kroch wieder zum Bett, und versuchte es wieder. Doch es ging immer noch nicht. Mir fehlte einfach die Kraft. Und ich verstand es nach wie vor nicht.

Donnerstag Abend telefonierte ich wie so oft mit einer lieben Bekannten, Marion Ruthner, aus Süddeutschland. Als ich mit ihr telefonierte, saß ich bereits auf dem Boden. Jedoch erzählte ich ihr nichts davon. Ich sprach mit ihr wie immer. Ich sage mal rund 2 Stunden ging das Gespräch. Als wir es beendeten, kroch ich wieder ins Schlafzimmer. Ich warm mein Handy ins Bett. Denn ich wollte dann ins Bett gehen. Ich wollte dann also meinem Handy folgen. Versuchte wieder mich hochzudrücken. Aber es ging immer noch nicht. Wieder kroch ich ins Wohnzimmer und versuchte es auf dem Sessel. Auch diesmal erfolglos.

Ich hatte dann einfach keine Lust mehr und legte mich hin um zu schlafen. Zwar überlegte ich noch was es sein könnte. Doch ich wusste es nicht. Ich schlief dann ein. Irgendwann wurde ich wieder wach. Weitere Versuche aufzustehen klappten nicht. irgendwann resignierte ich. Ich ich wusste, ohne Nahrung kann man einige Tage überleben. Doch ohne Wasser nur wenige Tage.



Ich weiß nicht mehr was mir da alles durch den Kopf ging. Jedenfalls lief es im Endeffekt auf Folgendes hinaus. Ich dachte mir, ich hatte weitgehend ein schönes und interessantes Leben. Habe viel erreicht. Viel gemacht. Aber nun war gut. Ich wollte dann nur noch einschlafen und nie wieder aufwachen.

Nun kann man natürlich sagen, warum ich keinen Lärm gemacht habe. Sicher wäre das möglich gewesen. So hätte ich zur Wohnungstür kriechen und dagegen hämmern können. Aber in dieser Situation dachte ich nicht daran. Denn wie später in der Reha festgestellt wurde, hatte sich auch noch eine Depression bei mir festgesetzt. Die Gründe dafür waren mir klar. Oma, Opa, Vater, Mutter, Onkel gestorben. Und der Rest lebt sein eigenes Leben. Dazu wurden die letzten 3 Firmen geschlossen, in denen ich gearbeitet habe. Erst das Hauptlager von Pelikan Hardcopy, wo ich im Versandbüro als Sachbearbeiter war, dazu stellv. Vorsitzender vom Betriebsrat und Auditor. Dann als Versandleiter bei einer Firma in der Nähe von Euskirchen. Anschließend wieder zurück in das alte Pelikan Gebäude als Versandleiter für eine chinesische Firma. Alle Unternehmen wurden geschossen. Und das blieb ja offenbar auch nicht ohne Folgen bei mir.

Also war ich an dem Punkt wo ich mir dachte, es reicht. Ich habe sowieso niemanden mehr. Ich wollte dann wie gesagt nur noch einschlafen und nie wieder aufwachen, damit ich nichts merkte.

Das mit dem Einschlafen hat geklappt. Aber ich bin dann auch wieder wach geworden. Mehrere Male. Beim letzten mal weil die Polizei an meiner Wohnungstür war, klingelte und klopfte und nach mir rief. Ich konnte der Beamtin dann durch die geschlossene Tür sagen was los war. Über die Polizei wurde dann die Feuerwehr gerufen. Diese öffnete dann die Wohnungstür indem sie das Schoss aufbohrte. Nach wenigen Minuten standen dann 2 Sanitäter neben mir. Ich sprach mit ihnen und sagte ihnen was los war.

Ich wurde dann auf eine Bahre gelegt und wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Grund, warum die Polizei da war: Marion Ruthner, mit der ich Donnerstag Abend noch telefoniert hatte, wie erwähnt, hatte dann Freitag und Samstag versucht bei mir anzurufen. Ich hörte zwar Telefon und Handy. Aber ich konnte ja nicht ran gehen. Handy lag irgendwo im Bett und das Festnetztelefon stand in der Ladestation auf dem Schreibtisch. Und im Internet war ich auch nicht präsent. Also rief sie Samstag Abend bei der Polizei in Düren an, damit die mal nachsehen kamen was los war, weil sie befürchtete es wäre was passiert.
Es ist eine Tatsache, dass sie mir damit das Leben gerettet hat. Hätte sie nicht bei der Polizei in Düren angerufen weil sie mich vermisst hatte und nicht erreichen konnte, würde es mich heute mit Sicherheit nicht mehr geben.

In der folgenden Zeit war ich sehr nachdenklich. Angefangen im Krankenhaus. Ich war also meist sehr ruhig. Mir gingen viele Gedanken durch den Kopf. Zwar half ich meinem Bettnachbarn noch, als er seine Frau vermisste, und rief für ihn bei der Polizei in Düren um sie zu finden. Aber ansonsten war ich sehr ruhig.

Ich war dreimal in der "Röhre" zum röntgen. Beim ersten mal wurde eine Entzündung am Rückenmarkt festgestellt. Beim zweiten mal hies es, ich hätte beginnende MS. Da sagte ich noch zum Arzt, wie soll ich denn daran kommen? Das hat niemand in der Familie. Aber er meinte, das könne jeder bekommen.
Nach dem dritten mal in der Röhre hieß es dann, dass ein Nerv im Rücken entzündet war. Das war dann auch für mich nachvollziehbar, wenn ich daran dachte was passiert war.

Dazu kam, bei Blutuntersuchungen wurde festgestellt, dass mir viele Vitamine und Spurenelemente fehlten. Was dann wohl auch zu der Entzündung beigetragen hatte. Währe ich also mal sorgsamer mit meiner Ernährung gewesen...............

Ich versuchte am Monatsanfang meine monatlichen Überweisungen zu machen. Denn ich hatte dummer Weise keine Daueraufträge eingerichtet sondern die Dinge jeden Monat per Onlinebanking überwiesen. Ich habe ja nie damit gerechnet, dass ich unvorbereitet längere Zeit weg sein würde. Ich rief also bei meiner Bank an und sagte, die sollten die Überweisungen, die sonst jeden Monat stattgefunden haben einfach noch mal ausführen. Der Mann meinte zu mir ich müsste ihm die Kontonummern und Empfänger geben. Dann könnte er das machen. Ich sagte, ich bin im Krankenhaus. Da habe ich doch keine Kontonummern dabei. Aber es ging nicht. Dann überlegte ich was ich machte und kam auf den Gedanken mir eine "Betreuerin" zuzulegen. Dies tat ich dann auch über den Sozialen Dienst vom Krankenhaus. Die Betreuerin kam mit einer Richterin zu mir, die Richterin sprach mit mir, und gab der Betreuerin die entsprechende Vollmacht, in meinem Namen Dinge regeln zu können.



Danach hatte ich den Gedanken, "Nun hab ich mit nix mehr was zu tun.". Grund dafür war wohl meine Depression.

Nach 2 Wochen Krankenhaus kam ich von dort in die Reha, in der Nähe von Euskirchen. Ich wusste nicht was da auf mich zukam. Ich hab es einfach mitgemacht. Als ich dort ankam konnte ich erst mal kaum gehen. Im Krankenhaus bin ich zwar mit einer Therapeutin über den Flur gegangen, aber nur mit so einer Art Gehwagen, wo ich mich drauf stützen konnte. Ansonsten lag ich ja nur im Bett.

In der Reha bekam ich dann einen Rollstuhl. Mit dem fuhr ich auch ständig dort rum, die ersten Wochen. Durch die Therapien wurde dann bewirkt, dass ich langsam wieder gehen konnte. Meine Blutwerte wurden auch langsam wieder gut, durch das Essen im Krankenhaus und in der Reha. Nach einigen Wochen war alles wieder im normalen Bereich.

Und ich regte mich über einige Dinge in dieser Klinik auf. So gab es dort einige "Stolperfallen" für Rollstuhlfahrer. Zum Beispiel Metallleisten an Türen. Fand ich unmöglich. Denn viele Patienten waren am Anfang ja auf den Rollstuhl angewiesen. TV gab es nur wenn man dafür  zahlte. Wo gibt es das heute noch? Dabei hätte das Gucken von TV sicher auch zur Genesung beigetragen. Die Aufzüge dort waren eine Katastrophe. Zu klein. Und nur 2 Stück gab es dort für den öffentlichen "Betrieb". Die geringe Größe war natürlich sehr nachteilig für Rollstuhlfahrer. Meistens waren die Aufzüge am Tage voll. Da passte kein Rollstuhl mehr rein. Der Aufzug für die Angestellten war auch meist voll, weil damit auch Essen und andere Dinge transportiert wurden. Ich habe hier meist den "Fahrservice" genutzt. Das heißt, ich bin da mit den Angestellten runter zu den Therapien gefahren und wieder hoch. Denn es war unmöglich zeitig zu den Therapien zu kommen bei dieser Aufzugsituation.

Doch auch bei all dem Ärger konnte ich am Ende wieder gehen. Auch wenn nur am Rollator und nicht sehr weit. Aber es ging. Daher sind die Therapeuten dort sehr gut.

Zwischendurch kam mich noch eine liebe Bekannte besuchen. Es war Mone von www.riderswayout.de

Nach der Reha kam ich in eine Kurzzeitpflege in der Nähe von Düren. Es war so gedacht, dass in der Zeit bei mir in der Wohnung noch ein paar Änderungen vorgenommen werden sollte. Die von meiner Betreuerin in die Wege geleitet wurden. Durch einen gebrochenen Fuß dauerte es leider länger als gedacht. Ich war dann rund 3 Monate dort.

Dann meinte meine Betreuerin, ich könnte in die LVR Klinik gehen nach der Pflege, um meine Depression behandeln zu lassen. Jedoch habe ich dies abgelehnt. Denn ich wollte endlich wieder nach Hause. Ich war nun rund 5 Monate weg. Und mir reichte es. Aber vor allem hatte ich dort am Anfang mein Einzelzimmer. Da war ich zufrieden. Nach rund einem Monat musste ich auf ein Doppelzimmer. Dort war mein Zimmernachbar ein 92jähriger Mann. Ich hatte zwar kein direktes Problem mit dem Mann. Auch wenn ich zwischendurch hörte ich hätte angeblich gedroht ihn zu hauen wenn er weiter nervt. Aber das war totaler Schwachsinn. Der Mann hatte mit seinen 92 Jahren keine Chance, zumal ich früher auch Kampfsport gemacht habe. Also das war lächerlich. Doch er nervte ohne Unterbrechung. Auch wenn er nicht dafür konnte. Er war schwerhörig und hörte daher auch nicht, wie er beim Gehen (am Rollator) mit den Füßen aufstampfte. Und wenn er auf Toilette ging hat er meist die Türe offen gelassen. Als ich ihm die Türe dann einige Male zugedrückt habe, hatte er es meist auch gemacht wenn er ins Bad ging. Nur leider nicht immer.

Also ich war froh, als das Ende meiner Zeit dort kam. Hätte ich die ganzen 3 Monate in einem Einzelzimmer verbracht, wäre ich vielleicht noch in die LVR Klinik gegangen. Aber unter diesen Umständen war ich froh, wieder nach Hause zu kommen.

Zu Hause angekommen musste ich mich erst mal an die Umgebung wieder gewöhnen. Denn ich war 5 Monate von zu Hause weg und einige Dinge wurden entsorgt in meiner Abwesenheit, die mich auch an die "gute alte Zeit" und an die Zeit mit meinen Eltern erinnerten. Ich war froh, dass diese Dinge weg waren. Den Rest werde ich nun nach und nach noch ausmisten, die ich selber durchsehen muss.

Jedenfalls merke ich, diese Tätigkeit tut mir gut. Zum ei nen bezüglich der Depression. Und auch die körperliche Bewegung Daher bin ich davon überzeugt, die Zeit zu Hause tut mir viel besser als es die LVR Klinik könnte.

Vor einigen Tagen war ich bei einem Neurologen. Ich fragte mich zwar, was ich dort sollte. Denn lt. Reha ist die Entzündung des Nervs nicht beschleunigbar. Ich kann also nur abwarten bis sie wieder weg ist.

Aber der Neurologe sagte mir etwas, was mir bewusst machte, dass ich vermutlich doch MS habe. Auch wenn ich das bisher nie glauben wollte. Ich hatte den Nerv entzündet und die Entzündung kam durch den Vitaminmangel.

Der Neurologe machte mir aber nun bewusst, dass diese Entzündung nur eine Folge der MS ist. Ich bin zwar immer noch nicht davon überzeugt, dass ich MS habe. Aber es würde einiges erklären, was ich in den letzten Jahren gemerkt habe. Zum Beisiel meine Körpersteifigkeit.

Ich bin mir also noch nicht ganz sicher. Wenn es aber MS sein sollte, muss ich mich damit "anfreunden". Denn ich weiß ja, das ist nicht heilbar. Man kann es nur verbessern. Damit die Auswirkung nicht so schlimm wird.



In diesem Rahmen habe ich nun diesen Blog hier erstellt. Hier werde ich in Zukunft Dinge reinschreiben, die sich um die Krankheit drehen. Allgemeine Infos aber auch meine Erfahrungen. MS ist ja kein Todesurteil. Es bedeutet nur eine Einschränkung des alltäglichen Lebens. Doch auch darauf kann man sich einstellen. Und diese Infos werde ich hier schreiben. Und ich hoffe, damit auch einigen Betroffenen Mut machen zu können.

Kommentare:

  1. 💜Bitte,bitte nehmen Sie viel VitaminD und auch Cannabis-Öl zu sich.Meine Schwester hat dies leider versäumt,da sie eine falsche Neurologin und bösen Ehemann hatte und ich mich zu spät mit dieser Krankheit intensiv auseinander gesetzt habe.Den Zustand meiner Schwester beschreiben zu müssen, würde mir jetzt zu sehr die Tränen in die Augen treiben, denn er ist schrecklich.Ärtzlicherseits wird ihr leider nicht geholfen und ich muß seit Wochen zusehen, wie sie immer mehr abbaut. Sie ist total auf fremde Hilfe angewiesen(nur noch Kopf bewegen)Ich möchte,daß weder Sie noch irgendein anderer Mensch jemals dieses grausige Schicksal durchmachen muß.Bitte tun Sie alles heilsame für sich,was möglich ist und verlieren Sie nicht den Glauben an ihre ureigenen körperlichen Heilkräfte,versuchen Sie,Streß zu vermeiden,viel zu lachen und positiv zu bleiben.Ich schließe Sie in mein Gebet mit ein,viele herzliche,liebe Grüße💛💫

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    1. Danke für den Hinweis mit Vitamin D. Ich bekomme Vitamin B Kapseln. Und als ich die mal nicht bekommen habe weil im Pflegeheim geschlampt wurde, habe ich nach 2 Tagen gemerkt, wie wichtig das ist. Denn es wurde schlechter mit der Muskulatur, vor allem in den Beinen. Ich habe zwar mehrfach nachgefragt, aber dann war es mir auch egal weil ich dachte, das ist ja nichts Lebenswichtiges. Ist es zwar auch nicht, aber für das Wohlbefinden ist es wichtig. Hätte ich nicht gedacht. Aber die beiden Tipps mit Vitamin D und dem Canabis-Öl werde ich mir mal ansehen.
      Schönen Gruß.

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